Der deutsche Stromgeist

14. Januar 2008

Was ist der Stromgeist? – In seiner Vorlesung in Freiburg im Wintersemester 1934/35 legt Heidegger Hölderlins Kommentar zu dem Pindar-Fragment Das Belebende in Bezug auf das Schicksal der Deutschen aus. Dafür interpretiert er den Text in entscheidender Weise um, wie durch die Klammerbemerkung deutlich wird:

„Der Strom ist das gewaltsam Bahn und Grenze Schaffende auf der ursprünglich pfadlosen Erde. (Seit der Flucht der Götter ist die Erde weglos.) Von hier aus wird schon deutlicher, … [dass] durch die Ankunft der neuen Götter dem ganzen geschichtlichen, irdischen Dasein der Deutschen eine neue Bahn gewiesen und eine neue Bestimmtheit geschaffen werden soll. Der Stromgeist ist nicht ein Gegensatz des Wassers zum Land, sondern die Wasser ersehen in ihrem Mitklagen die Pfade des weglos gewordenen Landes. Sie reißen das ganze Land den erwarteten Göttern entgegen.“ (Martin Heidegger, Gesamtausgabe II. Abteilung, Vorlesungen 1923-1944, Band 39: „Hölderlins Hymnen Germanien und Der Rhein, herausgegeben von Susanne Ziegler, Frankfurt am Main 1999, S. 92-93. Bei Google Books.)

Heidegger versucht, mit der Figur des Stromgeists den deutschen Faschismus zu verstehen: Sie schafft mit Gewalt Bahn und Grenze und sie sollen dem Dasein der Deutschen eine neue Bestimmung geben. In dieser Zeit hat sich Heidegger zwar schon vom Nationalsozialismus distanziert, aber er hält die Hoffnung aufrecht, dass sie letztendlich doch noch einen geschichtlichen Sinn erfüllen.

One Response to “Der deutsche Stromgeist”


  1. [...] Heideggers Interpretation: Heidegger scheint den deutschen Faschismus als ein Phänomen der Bifurkation zu deuten. Doch [...]

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