Über

28. August 2007

Der Stromgeist Blog ist ein philosophisches Experiment, dem eine Theorie, eine Technologie und ein Begriff zu Grunde liegt.

Die Theorie der autopoietischen Systeme stammt von Humberto Maturana und Francisco Varela. Kurz gesagt geht es darum, dass aus einer begrenzten, vordefinierten Menge von Elementen ein System entstehen soll, das selbsterzeugend, selbstbegrenzend und selbsterhaltend ist. Das heißt, alle weiteren Elemente des Systems werden aus den Elementen und Prozessen erzeugt, die bereits integraler Bestandteil des Systems sind. Was hier also entstehen soll, ist ein sich selbst organisierender Text, dessen Operationen auf der Technologie des Hypertextes und dessen Semantik auf dem ursprünglichen Wort „Stromgeist“ beruht, an das sich immer mehr Worte anschließen. Das Experiment besteht darin zu beobachten, ob sich bestimmte Worte und Wortfelder anhäufen und einander gegenseitig verstärken und ergänzen oder ob das Chaos am Ende heillos zunimmt und letztendlich das System zerrinnt und kollabiert oder erst gar kein System entsteht.

Die Technologie beruht einerseits auf der Funktionalität des Blogsystems von WordPress, das die Suchanfragen bestimmter Suchmaschinen anzeigt, deren Trefferanzeigen zu diesem Blog führen, so dass also auch andererseits die Algorithmen der Suchmaschinen die technologische Voraussetzung des Stromgeist-Systems bilden. Die Beschreibung der Voraussetzungen des Experimentes ist die erste vorgegebene Menge des Systems, das entweder entsteht oder nicht entsteht. Wenn nun bestimmte Suchanfragen von anderen Internet-Nutzern zu diesem Blog führen, wird eine Beziehung der entsprechenden Suchbegriffe mit dem bereits vorhandenem Material hergestellt, und zwar auf dem Weg der Interpretation. Und jede neue Beziehung wird durch die Interpretation zu einem integralen Bestandteil des Stromgeist-Systems.

Der Begriff des Stromgeistes geht auf die griechische Mythologie zurück, genauer noch auf einen Text Friedrich Hölderlins, der ein Fragment Pindars kommentiert. Das Fragment trägt den Namen Das Belebende. Zusammen mit Hölderlins Kommentar wird er den Ursprungstext des Stromgeist-Systems und damit den ersten Eintrag des Stromgeist Blogs bilden. In Hölderlins Kommentar lässt sich ein Gedanke erkennen, der bereits die Idee der Selbstorganisation beschreibt. Weitere Erläuterungen dieses Textes werden folgen, also Kommentare des Kommentars – und Kommentare der zu ihnen führenden Suchanfragen.

Die Idee des Blogs ist es also letztendlich, die Theorie der autopoietischen Systeme am Begriff des Stromgeistes im Medium des Hypertextes experimentell zu erproben. Die „Umwelt“ des Stromgeist-Systems besteht damit einerseits aus immanenten Bezügen, die sich aus der Explikationen seiner semantischen Grundlage ergeben und aus zufälligen Bezügen, die sich aus den Suchanfragen unbekannter Internet-Nutzer ergeben, die auf die bisherigen Explikationen verwiesen werden. Mit anderen Worten: Sie besteht aus der Selbstbeschreibung des Systems und den Formen seiner Fremdwahrnehmung.

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